Ratgeber · Demenz
Pflegegrad bei Demenz: Begutachtung, Reform 2027 und Hilfen
- Bei Demenz zählt in der Begutachtung vor allem, wie viel Anleitung, Aufsicht und Hilfe im Alltag nötig ist, nicht die Diagnose.
- Gedächtnis, Orientierung und Verhalten werden in zwei Bereichen bewertet; der höhere der beiden zählt mit 15 %.
- Ab 2027 sollen für Pflegegrad 1 bis 3 mehr Punkte nötig sein. Die Bereiche Kognition und Verhalten werden bei den angekündigten Änderungen der Bewertung nicht genannt.
- Wer schon einen Pflegegrad hat, behält ihn laut Entwurf. Für neue Anträge zählt der Tag des Eingangs bei der Pflegekasse.
- Für Betreuungsgruppen soll es ab 2027 das Sozialraumbudget geben, für Krisen das Überbrückungsbudget.
Wie Demenz in der Begutachtung bewertet wird
Der Medizinische Dienst bewertet sechs Lebensbereiche. Für Menschen mit Demenz sind besonders wichtig:
| Bereich | Was dort zählt | Gewicht |
|---|---|---|
| Kognitive und kommunikative Fähigkeiten | Personen erkennen, Orientierung, Entscheidungen treffen, Gesprächen folgen | 15 %* |
| Verhaltensweisen und psychische Problemlagen | nächtliche Unruhe, Ängste, Weglaufen, Abwehr von Hilfe | 15 %* |
| Selbstversorgung | Waschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilette | 40 % |
| Alltagsleben und soziale Kontakte | Tagesablauf, Beschäftigung, Kontakte | 15 % |
* Von den beiden ersten Bereichen zählt nur der höhere Wert. Die übrigen Bereiche sind Mobilität (10 %) und Umgang mit Krankheit und Therapie (20 %).
Wichtig für Familien: Auch wer sich noch selbst waschen kann, aber dazu aufgefordert, angeleitet oder beaufsichtigt werden muss, gilt nicht als vollständig selbstständig. Genau diese Hilfe wird in der Begutachtung oft übersehen.
Was die Reform 2027 ändert
- Höhere Punktgrenzen: Pflegegrad 1 ab 15 statt 12,5 Punkten, Pflegegrad 2 ab 30 statt 27, Pflegegrad 3 ab 50 statt 47,5. Pflegegrad 4 und 5 bleiben unverändert.
- Bewertung in einzelnen Bereichen: Angekündigt sind Änderungen bei Mobilität, Selbstversorgung sowie Alltagsleben und sozialen Kontakten. Kognition und Verhalten werden dabei nicht genannt. Die Einzelheiten stehen erst mit dem beschlossenen Gesetz fest.
- Dauer des Hilfebedarfs: Er soll künftig „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ mindestens sechs Monate bestehen. Bei Demenz ist das in der Regel gegeben.
- Bestandsschutz und Stichtag: Ein bestehender Pflegegrad soll nicht allein wegen der neuen Grenzen verloren gehen. Für neue Anträge zählt das Datum, an dem der Antrag bei der Pflegekasse eingeht. Mehr zum Bestandsschutz
Demenz verändert sich. Ein Antrag auf einen höheren Pflegegrad ist jederzeit möglich, wenn der Hilfebedarf wächst. So beantragen Sie einen höheren Pflegegrad
Gut vorbereitet in die Begutachtung
- Pflegetagebuch führen: zwei Wochen lang notieren, wobei geholfen, erinnert oder beaufsichtigt werden muss, auch nachts. Pflegetagebuch herunterladen
- Dabei sein: Menschen mit Demenz zeigen sich im Gespräch mit Fremden oft von ihrer besten Seite. Schildern Sie die schweren Tage, gern auch vorher schriftlich.
- Arztberichte bereitlegen: Diagnose, Medikamente und Berichte zu Stürzen oder Krankenhausaufenthalten. Checkliste zur Begutachtung
Hilfen für Familien
- Betreuungsgruppen und Alltagsbegleitung: heute über den Entlastungsbetrag, ab 2027 laut Entwurf über das Sozialraumbudget. Zum Sozialraumbudget
- Tagespflege: bleibt ein eigener Anspruch zusätzlich zu Pflegegeld oder Pflegedienst.
- Krisen und Urlaub der Pflegeperson: Kurzzeitpflege und akute Hilfe ab 2027 laut Entwurf über das Überbrückungsbudget. Zum Überbrückungsbudget
- Pflegekurse: Pflegekassen bieten kostenlose Kurse für Angehörige an, oft speziell zum Umgang mit Demenz.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit: Kabinett beschließt Pflegeneuordnungsgesetz, Pressemitteilung vom 30.09.2026; Bundesrat-Drucksache 587/26
- pflege-dschungel.de: Was der Kabinettsentwurf für die Pflege zu Hause vorsieht (30.09.2026)
- Deutscher Pflegebeistand: Pflegereform 2027 (Stand 09.10.2026)
- SGB XI in der Fassung 2026: § 14 und § 15 (Begutachtung), § 39 und § 42 (Verhinderungs- und Kurzzeitpflege), § 41 (Tages- und Nachtpflege), § 45 (Pflegekurse), § 45a und § 45b (Angebote zur Unterstützung im Alltag, Entlastungsbetrag)
Häufige Fragen
Bekommt man bei Demenz automatisch einen Pflegegrad?
Nein. Entscheidend ist, wie selbstständig die Person im Alltag noch ist. Viele Menschen mit Demenz erreichen aber einen Pflegegrad, weil Anleitung und Aufsicht mitzählen.
Ändert die Reform 2027 die Bewertung von Demenz?
Die Punktgrenzen für Pflegegrad 1 bis 3 sollen steigen. Bei den angekündigten Änderungen der Bewertung werden Kognition und Verhalten nicht genannt. Die Einzelheiten stehen erst mit dem beschlossenen Gesetz fest.
Welche Regeln gelten für unseren Antrag?
Laut Entwurf zählt der Tag, an dem der Antrag bei der Pflegekasse eingeht. Für Anträge ab dem 01.01.2027 sollen die neuen Punktgrenzen gelten.
Wer bezahlt die Betreuungsgruppe?
Heute der Entlastungsbetrag, ab 2027 laut Entwurf das Sozialraumbudget ab Pflegegrad 2, sofern das Angebot anerkannt ist.